ordination dr. bruno und leopoldine jörg in kappl im neuen dorfzentrum.auf 230 m2 befindet sich die ordination im 1. og des ostflügels mit eigener zufahrt für liegendpatienten. die künstlerische ausgestaltung übernahmen georg salner und otmar grissemann mit einer dreiteiligen raumarbeit. die abgrenzung des wartebereiches ist eine installation mit namen von weilern der gemeinde kappl. ausführende firmen: tischlerarbeiten tischlerei ladner kappl; einrichtung apotheke fa. norer zirl; polsterungen fa. huber kappl; vorhänge fa. juen pians; elektroarbeiten elektro müller landeck; beleuchtung egon kerber kappl; haustechnik luzian bouvier zams; haustechnik-planung büro rangger innsbruck; bauleitung dipl.-ing. manfred jäger innsbruck; keramikböden fa. schmid kappl; malerarbeiten fa. hellings kappl; ganzglasanlagen gerhard weiss landeck;
Text des Künstlers Georg Salner:
Als das Ärzte-Ehepaar Jörg Anfang des Jahres an uns, zwei sehr unterschiedliche Künster aus dem Paznaun, die häuptsächlich in Wien leben und arbeiten, mit der Idee herantrat, eine künstlerische Intervention für die neue Praxis im schon weit gediehenen Gemeindezentrum im Dorfzentrum von Kappl zu ersinnen, stellte uns dies vor eine besondere Herausforderung: Es sollte eine Gemeinschaftsproduktion in Idee und Gestaltung werden. Eine gute Basis dafür war unser gemeinsamer starker Bezug zur (alten) Heimat und eine alte, erprobte Freundschaft, die uns auch mit den Dr. Jörgs verbindet.
Nach einigen überschießenden Einfällen einigten wir uns auf das weite Gebiet des Typographischen, das uns beide aus unterschiedlichen Anwendungen vertraut ist. Es galt, einige markante Momente aus dem örtlichen Kontext (sowohl dem geografischen Ort der Praxis - dem Sprengel Kappl - als auch dem gebauten, architektonisch definierten Ort der Ordination), aus der ärztlichen Tätigkeit und aus dem Allgemeinen der Medizin als Heilkunst herauszuarbeiten und sprachlich und in der Folge schrift-bildlich zu fixieren.
Die Mehrdeutigkeit des Wortes Praxis hat sich als zentrales sprachliches Motiv besonders angeboten. Zusammen mit dem Ortsnamen zentriert es in der im Eingangs- und Warteraumbereich zuerst sichtbaren und von beiden Seiten offen einsehbaren Glaswand eine Textur aus den Weilernamen des Sprengels Kappl. Das spielerische Prinzip, das in den Zeilen dieser Wörteraneinanderreihung abläuft, die sich mehrfach von A bis Z und vom Z bis zum A wieder rückwärts abspult, erinnert an das beständige Hin und Her der Bewegungen des Arztes, sei es als reale Bewegungen im Dorf, oder wenn die Patienten aus allen Ecken des Dorfes beständig an ihm vorbeiströmen. Die Art, wie die Weilernamen angesetzt sind, entspricht weitest gehend der Dialektversion, die für die Bevölkerung die wesentliche ist, unabhängig von der eingedeutschten Form für Kartographierung und behördliche Handhabung. Sie erscheint in geschriebener Form fremdartig und ungewohnt, erhöht aber gleichzeitig den Ortsbezug, die Authentizität und die Präzision der (verschrifteten) "Abbildung". Gleichzeitig betont es das Poetisch-Lautmalerische aus dem örtlichen Idiom.
Diese Wand sollte möglichst transparent bleiben, im Gegensatz zur zweiten, die einen speziellen Behandlungsraum abtrennt und die sich als Träger eines Schriftbildes angeboten hat, das das Arzt-Patienten-Verhältnis thematisiert, welches in seiner gelungenen Form die Basis jedes Heilverfahrens darstellt. Es breitet sich vom zentralen Motiv ausgehend als flächig-räumliche Struktur über den wesentlichen Abschnitt der Wand aus und bewirkt eine Abgeschlossenheit im hinteren Bereich.
Das Allgemeine der Tätigkeit, die den Ort einer Arztpraxis ausmacht ist die Heilkunst Medizin. Wenn an der langen Gangwand zwischen Heilkunst und Medizin nochmals das Wort Praxis angebracht wurde, dann erscheint es hier in seiner zweiten wesentlichen Bedeutung, der der ausgeübten Tätigkeit der Heilunst Medizin. Der Begriff der Heil-Kunst verbindet sich hier aber auch weit gedeutet mit dem Kunstwollen und der Kunstpraxis der beiden Gestalter Otmar Grissemann und Georg Salner, sodass eine in Verbindung mit dem Innendesign von Karl Gitterle gelungene "Kunst-Praxis" enstanden ist.
Die reduzierte Farbpalette wurde auf der Basis des Vorschlags der Künster in Absprache im Architekt Gitterle und den Erstnutzern speziell entwickelt.
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